Entstehung und Meilensteine

Auszug aus der Zeitung (Die Oberbadische)

Von Katharina Ohm

Lerche, Güggel, Frösch und Schnägge: Hinter vielen Figuren der Lörracher Fasnacht steckt eine interessante Geschichte. Bis zum Ausklang der närrischen Tage wird unsere Zeitung einige dieser Figuren porträtieren. Grundlage der Artikel ist das vom stellvertretenden Obergildenmeister Klaus Breitenfeld geführte Häs-Buch der Narrengilde. Der fünfte Teil der Folge stellt die Lörracher Erznarren vor: die Zundel.

Lörrach. Ins Leben gerufen wurden die Zundel vom wohl bekanntesten Namen der Lörracher Fasnacht: Der Tüllinger Kunstmaler Adolf Glattacker, der nicht nur den Fasnachtsruf „Friss’n e weg d’r Schneck“ kreierte, sondern auch den Zundel als Lörracher Narren schuf. Dieser ziert auch das heutige Emblem der Narrengilde.

Dabei ließ er sich von einem noch weitaus bekannteren Lörracher inspirieren, dem Dichter Johann Peter Hebel: Zundel Heiner, und Zundel Frieder, die bei Nacht mit einem Diebeskumpan „die Hühnerställe visitierten“, wie es in Hebels Geschichte „Die drei Diebe“ heißt, sind die Namensgeber der 1936 geschaffenen Clique. Sie gilt, so Breitenfeld, als die ursprünglich-typische Narrenfigur in Lörrach.

Keine Maske gab’s und gibt es für die Clique, sondern ein rot, gelb, grünes Fleckle-Häs mit Hörnerkappe und dem Lörracher Stadtwappen auf der Brust. Denn eine feste Maske würde nicht nur behindern, sie wäre auch gefährlich, bei der Turnkunst, die die Zundel bieten.

Die Lörracher Erznarren sind keine gewöhnliche Laufclique sondern einzigartig in der Region. Mit ihren Saltos – die anfangs ein Markenzeichen der Zundel waren – und den später hinzugekommenen Pyramiden legen sie den Fokus auf das Turnen und den Kunstkraftsport. Die Pyramiden, die die Narren teilweise bis zu fünf Reihen übereinander bauen, sorgen oft für staunende Augen. „Die Pyramiden gibt es sonst nur in der Fasnacht in Katalonien“, berichtet Breitenfeld, der auch Chronist der Gilde ist.

Die Zundel zündelten schon in der Zeit des Nationalsozialismus gerne gegen die Obrigkeit und befeuerten damit die öffentliche Debatte. Ein Beispiel: das alljährliche Schnitzelbanksingen, das vor der Veröffentlichung von der zuständigen staatlichen Behörde zensiert wurde. Dies umgingen die Zundel unter dem Obergildenmeister Johann Meier-Muser und sorgten damit für einige Wut bei der Stadt. Diese stellte den Zundel als Rache beim „Böög-Verbrennen“ kurzerhand den Strom ab, und die Fasnächtler mussten im Dunkeln stehen. Dabei wird eine große Stoffpuppe verbrannt, die das Ende der Fasnacht symbolisieren soll.

Die Zundel waren auch die ersten, die das Schnäggle aus der Sahne schleckten: Lange Jahre waren sie die einzigen Teilnehmer des Dällerschläggs und kürten den Finder zum Zundelkönig. Heute nehmen jährlich im Wechsel Vertreter von jeweils der Hälfte aller Lörracher Narrencliquen teil.

Die Figur des Zundel war in der Lörracher Fasnacht immer präsent. Selbst als sich die Clique vor mehreren Jahren auflöste, blieb der Erznarr als Einzelfigur erhalten. „Wir werden die Figur des Zundel nie aussterben lassen“, betont Breitenfeld.

Seit mehreren Jahren turnen die Zundel wieder durch die Straßen. Das ist dem langjährigen Mitglied Kurt Kämmerer zu verdanken, der – übrigens als bisher einziger – den Handstand an der Spitze einer fünfstöckigen Pyramide wagte.

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